Jaka Šubic

Aktivitäten

Neben meiner Arbeit, die mir viele Möglichkeiten für ein breiteres Wirken eröffnet, beschäftige ich mich mit einigen Bereichen, die mehr sind als nur gelegentliche Hobbys. Alles, was ich tue, ist mit meinem Charakter und dem Wunsch verbunden, möglichst aktiv und in guter Verfassung zu bleiben, sowie mit der Hoffnung, gute Ideen auch anderen Menschen näherzubringen und gemeinsam manches Unbequeme in unserem Umfeld zu verbessern.

RECHT

Arbeit eröffnet viele Möglichkeiten...

Als Jurist bin ich bei einer slowenischen Anwaltsgesellschaft angestellt. Beruflich bereite ich verschiedenste juristische Inhalte für Rechtsanwälte vor. Ich beschäftige mich mit Zivil-, Verfassungs- und Wirtschaftsrecht. Ich recherchiere Rechtsprechung und Rechtsquellen und verfasse unterschiedliche Schriftsätze, damit wir gemeinsam mit den Kollegen Mandanten gut beraten und in vielen schwierigen Lebenssituationen helfen können.

Diese Arbeit macht mir Freude, weil sie nicht von meiner Mobilitätsbeeinträchtigung abhängt und mir vor allem die nötige Weite gibt, auch mein eigenes Leben in mehrere Richtungen zu sehen und zu gestalten. Dadurch kann ich auch im privaten Leben manche Herausforderung leichter bewältigen. Sie gibt mir Werte und setzt Grenzen, was auch zu meinem Charakter passt; oft kann ich mir auch angesichts der Not von Menschen in Rechtsfällen bestätigen, dass ich selbst auf dem richtigen Weg bin.

Meine Beschäftigung ist für mich von außerordentlicher Bedeutung, weil sie mir Selbstständigkeit und Aktivität in der Gesellschaft ermöglicht. Menschen mit unterschiedlichen Beeinträchtigungen begegnen leider noch immer Vorurteilen, Unwissenheit und der Vorstellung, wir seien zu einem aktiven Leben und Arbeiten nicht fähig. Auch durch eine reguläre Beschäftigung bekam ich bessere Möglichkeiten, mein Leben schrittweise so zu ordnen, dass es sich nicht nur wegen meiner Beeinträchtigung von anderen unterscheidet. Arbeit gibt mir einen Rahmen, in dem ich verstehen kann, was ich selbst erreichen oder erwarten kann, und dadurch kann ich auch anderen nüchterner helfen.

Gerade die berufliche Arbeit hat mir teilweise ermöglicht, mir die Lage von Menschen mit Mobilitätsbeeinträchtigungen in der Gesellschaft noch stärker bewusst zu machen und auch meine Pflicht zu erkennen, mit einem kleinen Maß an eigener Aktivität und persönlichem Beispiel zu helfen: nicht nur zu Veränderungen, sondern zu einem Zustand, in dem es in unserer Gesellschaft vielleicht keinen Grund mehr für solche, wenn auch unbeabsichtigten Schwierigkeiten gibt.

MENSCHEN HELFEN

Ich helfe gern...

Wegen meiner Beeinträchtigung begegne ich im Leben vielen Herausforderungen, Missverständnissen und Barrieren. Durch zahlreiche Erfahrungen habe ich nach einem Weg gesucht, auf dem wir gemeinsam leichter Hindernisse überwinden, Lösungen finden und auch anderen helfen könnten. Ich habe in einigen Organisationen und Initiativen in verschiedenen Bereichen mitgewirkt. Ich wollte jedoch eine Organisation, die sich nicht nur mit ihrem eigenen großen Apparat beschäftigt und in der die Interessen der Mitglieder nicht in langen, komplizierten Verfahren verschwinden. Wirksam kann eine Organisation sein, die einfach handelt und einem Mitmenschen in verschiedensten Notlagen schnell helfen kann. Deshalb wollte ich nicht nur eine Organisation zur Hilfe für behinderte Menschen, sondern eine Initiative, die unterschiedliche Fachleute und Bereiche verbindet, in der wir mit kleinen Taten Gutes tun können, auch langsamer und allein, und dennoch jemandem das Leben verschönern und sagen, dass nicht alles schlecht und dunkel ist. Dadurch stärken wir zwischenmenschliche Beziehungen.

Im Jahr 2013 habe ich mit Gleichgesinnten in Ljubljana den Verein Weißer Falke für persönliche Hilfe gegründet und bin auch dessen Vizepräsident. Der Verein versucht, Menschen in Not so zu helfen, dass die Hilfe an die jeweilige Person angepasst ist. Nicht das Problem des Einzelnen steht im Vordergrund; vielmehr versuchen wir, bei jeder Form von Hilfe die Ziele und Möglichkeiten hervorzuheben, die die Person durch unsere Unterstützung erhält. Im Verein Weißer Falke für persönliche Hilfe fördern wir Freiwilligenarbeit und Solidarität zwischen Menschen. Auch wenn unser Beitrag klein sein mag, kann er für jemanden sehr viel bedeuten.

Als Vizepräsident des Vereins überwinde ich damit auch zahlreiche Herausforderungen meiner eigenen Beeinträchtigung und verwirkliche den Wunsch nach persönlichem, aber möglichst unaufdringlichem Aktivismus, mit dem ich auch anderen helfe.

ZWISCHEN CHIPS

Fast ein Raumfahrtzentrum...

Die Arbeit mit Computern ist ein außerordentlich wichtiger Teil meines Lebens. Computer sind so wichtig, weil sie mir schon in früher Kindheit vielleicht eine der grundlegendsten Fähigkeiten ermöglicht haben: das Schreiben. Computer und begleitende Technologie wurden so zu einem festen Bestandteil meines Alltags, weil sie mir ein erfülltes Leben und Arbeiten ermöglichen.

In meiner Freizeit verfolge ich Neuheiten und erforsche verschiedene Open-Source-Lösungen sowie Möglichkeiten moderner Cloud-Umgebungen. So habe ich mir ein bescheidenes Heimlabor aufgebaut, in dem ich Freunden bei Herausforderungen mit moderner Software und intelligenten Geräten helfen kann, sowohl in Windows- als auch in Linux-Umgebungen, eigene Lösungen programmiere, die mir den Alltag erleichtern, und dabei eine Art Open-Source-Gemeinschaft entwickle, die im häuslichen Kreis eine noch einfachere Nutzererfahrung ermöglicht.

Mich begeistern die vielen neuen Möglichkeiten intelligenter Technologien. Zugleich interessiert mich die Wiederverwendung älterer Geräte in Verbindung mit neuer Hardware. Mit all diesen Hilfsmitteln erleichtere ich mein eigenes Leben erheblich, manche Lösungen kann ich über meinen eigenen Server und Open-Source-Plattformen auch anderen anbieten. Nach meinem Wissen und meinen Möglichkeiten versuche ich zu beraten, Software anzupassen und Menschen bei verschiedenen Computerproblemen zu helfen.

MEIN ALLTAG

Mehr als nur Unterstützung...

Ein zentraler Teil meiner täglichen Aktivitäten, die mir ein erfülltes Leben und Arbeiten ermöglichen, sind persönliche Assistenz und regelmäßige physiotherapeutische Behandlung. Ein großer Teil meiner Aktivitäten umfasst deshalb auch die Koordination persönlicher Assistenz, damit alles andere möglichst reibungslos läuft.

Deshalb ist es notwendig, dass ich trotz meiner körperlichen Beeinträchtigung auch körperlich gut vorbereitet bleibe. Weil ich mich weniger bewege, hilft mir dabei eine regelmäßige spezialisierte physiotherapeutische Behandlung. Regelmäßiges Training beziehe ich in alle meine Aktivitäten ein; dabei helfen mir auch persönliche Assistenten unter fachlicher Anleitung erfahrener Physiotherapeuten. Persönliche Assistenz und Physiotherapie sind heute nicht mehr nur Dienstleistungen, sondern wir sind alle zu einem Team geworden, und für mich ist all das zu einer Lebensweise gewachsen.

So trainiere ich viel und bewältige mit einem engagierten Team erfolgreich verschiedenste alltägliche Herausforderungen. Gemeinsam versuchen wir, neue Wege zu größtmöglicher Selbstständigkeit und zur Erhaltung der Gesundheit zu finden, die ein Schlüsselelement jeder Selbstständigkeit ist. Ich möchte auf diese Herausforderungen hinweisen und aktiv einfache Lösungen suchen, um den Zugang zu solchen ganzheitlichen Behandlungen zu verbessern.

EIN NEUER TAG

Kulinarische Versuche...

Ich genieße gutes Essen und die Gelegenheiten, die dabei entstehen. Ich mag das Gefühl überhaupt nicht, dass Essen nur da ist, weil eben irgendetwas auf dem Teller sein muss. Deshalb habe ich oft das Problem, keine Idee für eine Mahlzeit zu haben, weil ich Allesesser bin und Auswahl beziehungsweise Ideenfindung für mich eine ziemliche Herausforderung ist.

Gelegentlich stelle ich mir die Herausforderung, mit Assistenz ganz selbst zu kochen und neue Möglichkeiten und Geschmäcker zu erforschen. Ich habe entdeckt, dass mir das eine besondere Herausforderung und Zufriedenheit gibt, wenn ich feststelle, dass ein Gericht meine eigene Schöpfung ist; der Prozess bestätigt mir, dass ich auch das kann: von der Idee bis zum Teller eine andere Person anzuleiten. 

Gerade bei Tätigkeiten in der Küche zeigt sich gut, dass Assistenz nicht nur eine assistierende Person bei der Arbeit oder Gesellschaft für den Nutzer ist. Zwischen Assistenz und Nutzer müssen zuerst ein enger Bezug und gute Kommunikation entstehen, damit sie viele komplexe Kochvorgänge durchführen können.

Am Ende ist wirklich nur wichtig, dass ich das Essen genieße. Kochen ist gerade deshalb eine Herausforderung, weil nur wenigen klar ist, wie das bei mir abläuft.

MEINE UNTERNEHMUNGEN

Neue Erfahrungen...

Gelegentlich versuche ich auch Dinge, die für eine Person mit Mobilitätsbeeinträchtigung vielleicht unlogisch und ungewöhnlich erscheinen, unabhängig davon, wie gut sie mir gelingen. Gemeinsam entdecken wir so die Schönheiten Sloweniens, manchmal auch der Welt; ich besuche Konzerte, Sportveranstaltungen und anderes, was mich immer mehr erfüllt. Es geht dabei nicht so sehr um das Verschieben von Grenzen, sondern in erster Linie um mein Gefühl, dass mich noch etwas interessiert.

Gelegentlich spiele ich auch Computerspiele. Ich spiele vor allem Simulationen, bei denen man mit etwas mehr Nachdenken und Wissen zu Lösungen kommen kann. Ich spiele und entspanne auf meine Weise und so weit, wie ich es mit meinen motorischen Fähigkeiten kann. In letzter Zeit begeistern mich das Fliegen im Flugsimulator und Lastwagensimulatoren, bei denen wenigstens ein gewisses Maß an Wissen nötig ist. Vielleicht ist es tatsächlich virtuell und in meinem Fall auch vereinfacht, aber dennoch gibt es mir zumindest ein wenig Gefühl von Realismus: dass ich etwas kann, was man mir vielleicht nicht zutrauen würde.

So entwerfe ich immer wieder neue Unternehmungen und genieße mit Freunden ein Leben, das mich erfreuen und traurig machen kann, mich aber immer überrascht. 

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